Wie das Gehirn auf Berührungen reagiert

Im Kinderlabor „B hoch 3“ geht es um die Entwicklung im Kinder- und Jugendalter

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten im Kinderlabor „B hoch 3“ mit Babys, Kindern und Jugendlichen. Sie wollen herausfinden, wie das Gehirn bei Heranwachsenden Berührungen verarbeitet, wie es den Körper bewegt und wie es so die Welt begreift. Daran sind auch Forschende des Exzellenzclusters Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC) beteiligt.

Im Kinderlabor „B hoch 3“ arbeiten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen mit Babys, Kindern und Jugendlichen. Sie wollen herausfinden, wie das Gehirn bei  Heranwachsenden Berührungen verarbeitet, wie es den Körper bewegt und wie es so die Welt begreift. Wie verarbeiten Kinder und Jugendliche Berührungen? Was passiert dabei in ihrem Gehirn? Und wie gelingt daraus Bewegung im Raum? Wie steuert das Gehirn einen Arm, nachdem er gerade erst gewachsen ist? Mit solchen Fragen beschäftigen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Kinderlabor „B hoch 3“ an der Universität Bielefeld. Die Abkürzung steht für berühren, bewegen und begreifen – und darum geht es im Labor.

Dr. Boukje Habets leitet das Kinderlabor, das es seit 2016 in Bielefeld gibt. Sie sagt: „Wenn wir uns bewegen, dann verarbeitet das Gehirn nicht nur Seheindrücke, sondern vor allem auch die Eindrücke, die durch die Bewegungen entstehen.“ Im Labor werde erforscht, wie das Gehirn über die Haut als Grenze zwischen Körper und Umwelt den Körper wahrnehme und mit der Welt interagiere.

Dabei stehen besonders Kinder und Jugendliche im Fokus. „Wir möchten verstehen, wie die Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen regelhaft abläuft“, sagt Habets. „Wir hoffen, dass wir aus diesen Erkenntnissen Ansätze entwickeln können, um Störungen in der Entwicklung frühzeitig zu erkennen und besser damit umgehen zu können.“

Kinder und Jugendliche werden dabei auf ganz unterschiedliche Weise untersucht. „Grundsätzlich ist es immer so, dass die Untersuchungen völlig schmerzfrei und ungefährlich sind“, sagt Habets. Sie werden zudem an das Alter des Kindes angepasst und dauern bei einem Baby zum Beispiel nur wenige Minuten.

„Wir zeichnen zum Beispiel die Aktivität des Gehirns auf, um besser zu verstehen, was eigentlich passiert, wenn ein Kind eine Berührung spürt“, erklärt die Wissenschaftlerin. Die Aktivität kann zum Beispiel mit Hilfe eines Elektroenzephalogramms (EEG) gemessen werden.
Aber auch andere Methoden können zum Einsatz kommen, zum Beispiel Motion Tracking. Dabei werden kleine Leuchtpunkte am Körper angebracht. Ein System aus Kameras nimmt die Lichter auf, sodass sich die Bewegungen und ihre Geschwindigkeit sehr genau erfassen und messen lassen. Welche Methode im Einzelnen zum Einsatz kommt, hängt immer auch vom Ziel einer Studie ab und den Daten, die dafür erhoben werden sollen.

Eine der Forschenden im Kinderlabor ist Dr. Marie Martel vom Exzellenzcluster Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC). Sie arbeitet dort mit einem besonderen Gerät, dem Kinarm. Er ist mit Griffen ausgestattet, die die Kinder mit beiden Händen umfassen. Danach sollen sie die Arme zum Beispiel in eine bestimmte Richtung oder auf eine bestimmte Weise bewegen. „Das Gerät erfasst diese Bewegungen genau“, sagt Dr. Martel.

Doch nicht nur das: Es ist auch möglich, den Kinarm ganz subtil eine Gegenkraft ausüben zu lassen, um zu beobachten, wie schnell und stark ein Kind darauf reagiert. Daraus lassen sich beispielsweise Rückschlüsse darüber ziehen, welche Sinnesinformationen Kinder verschiedenen Alters bevorzugt verarbeiten. „Wir haben schon sehr viele Daten gesammelt, aber die Studie ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Martel. Sie hofft, dass sie im Sommer erste Ergebnisse veröffentlichen kann.

Andere Methoden beinhalten es, dass Kinder ihre Arme und Beine überkreuzen, während sie eine Berührungsaufgabe lösen. „Damit kann man das Gehirn ein bisschen verwirren“, sagt Martel. Auch kleine Stimulatoren, die leicht vibrieren, kommen bei der Forschung zum Einsatz. „Die Kinder sollen feststellen, wo an ihrem Körper es vibriert hat“, sagt Martel. Dabei geht es darum, Berührungen richtig zu verorten.

Das Ziel der Studien ist es nicht nur, die Entwicklung von Babys, Kindern und Jugendlichen besser zu verstehen und Störungen entgegenwirken zu können. „Wir betreiben Grundlagenforschung“, sagt Habets. „Dabei geht es auch darum, wie der Körper sich im Raum bewegt und wie man ein Bewusstsein für die Grenzen seines Körpers entwickelt.“ Das habe zum Beispiel Anwendungsmöglichkeiten in Entwicklungen zur Virtual Reality und in der Robotik.

Allerdings sei es nicht immer einfach, Eltern und ihre Kinder für die Forschung zu gewinnen, sagen Martel und Habets übereinstimmend. „Wir machen sehr viel Öffentlichkeitsarbeit und laden Schulklassen zu uns ein, um das Labor zu zeigen“, sagt Habets. „Dabei lernen die Kinder viel über die Funktionsweise des Gehirns.“ Auch Eltern würden vor dem Besuch über das Labor informiert. „Wir hoffen natürlich, damit das Interesse an unserer Forschung zu wecken“, sagt Habets. „Kinder, die bei einer Studie mitmachen, bekommen ein Geschenk von uns und Fahrkosten werden erstattet. Wir planen auch einen Newsletter, mit dem wir die Eltern über unsere Ergebnisse informieren wollen.“

Das Kinderlabor „B hoch 3“ Das Kinderlabor sucht laufend Babys, Kinder und Erwachsene, die an Studien teilnehmen möchten. Wer Interesse daran hat, kann sich gerne beim Kinderlabor Bhoch3 der Universität Bielefeld melden:
Email: bhoch3@uni-bielefeld.de
Website: www.uni-bielefeld.de/bhoch3
FB: @Bhoch3Kinderlabor
 

 

 


Weitere Informationen:
www.uni-bielefeld.de/psychologie/abteilung/arbeitseinheiten/14/bhoch3.html
 

Kontakt:
Dr. Boukje HabetsDr. Boukje Habets
Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft / Biopsychologie und Kognitive Neurowissenschaften
Telefon: 0512 106 67 533
E-Mail: boukje.habets@uni-bielefeld.de

 

 

 

 




Dr. Marie MartelDr. Marie Martel
Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft / Center of Excellence – Cognitive Interaction Technology CITEC
Telefon: 0512 106 67 532
E-Mail: marie.martel@uni-bielefeld.de

 

 

 



 


Autorin des Artikels: Maria Berentzen