Markenzeichen Internationalität

CITEC fördert weltweite Vernetzung von Forschenden

Der Exzellenzcluster CITEC steht für kreative Ideen von international bekannten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die mit ihren Projekten neue Impulse in der Interaktionstechnologie setzen. Im vergangenen Jahr waren rund 120 Forscherinnen und Forscher des Clusters für Forschungsaufenthalte und Konferenzen im Ausland. Die 250 Forscherinnen und Forscher am Cluster kommen aus 27 Ländern. Sie stammen aus fünf verschiedenen Fakultäten, was die fächerübergreifende Forschung fördert. Seit den Anfängen im Jahr 2007 haben sich bis heute 200 Menschen am Cluster qualifiziert. Das ist nicht zuletzt der Infrastruktur und der internationalen Vernetzung von CITEC auf vielen Ebenen zu verdanken.

Timo Korthals (Mitte) arbeitet gemeinsam mit internationalen Experten unter anderem von der Universität Queensland University of Technology in Australien. Foto: CITEC/Universität Bielefeld „Dank der erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst innerhalb des Thematischen Netzwerks Interaktive Intelligente Systeme, können wir mit den wissenschaftlichen Größen der ganzen Welt zusammenarbeiten“, sagt Timo Korthals, Mitarbeiter in der Forschungsgruppe Kognitronik und Sensorik von Professor Dr. Ulrich Rückert. „Wir können aber auch in verschiedene Länder reisen oder bekommen Besuch von internationalen Experten. Dieses Jahr waren wir zum Beispiel an der Queensland University of Technology in Australien.“ Durch Förderung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) sind auch Studierende aus Bielefeld bei wissenschaftlichen Partnern und Studierende der Partnerhochschulen kommen für kleine Forschungsprojekte an den Exzellenzcluster CITEC. „Dank des DAAD und natürlich auch der CITEC Summer School findet also ein reger wissenschaftlicher Austausch statt“, sagt Korthals.

In diesem Jahr trafen sich Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen bei der sechsten Auflage der CITEC Summer School. Während der Tagung tauschen sich Doktorandinnen und Doktoranden mit renommierten internationalen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus. Sie arbeiten gemeinsam an interdisziplinären Projekten und stellen ihre Forschungsergebnisse vor.

Um die internationale Zusammenarbeit möglichst einfach zu gestalten, kooperiert CITEC im Thematischen Netzwerk Interaktive Intelligente Systeme (TN IIS) mit Partnern aus Italien, USA, Australien, Israel und Japan. Gemeinsam mit der US-amerikanischen Indiana University haben CITEC-Forschende zum Beispiel ein System entwickelt, mit dem sie Roboter-Experimente standort-unabhängig aufsetzen können. Der Informatiker Florian Lier befasst sich in seiner Dissertation mit der Reproduzierbarkeit von software-intensiven Roboter-Experimenten. Seine Doktorarbeit entsteht in einer Kooperation zwischen dem Zentrallabor des CITEC und der Forschungsgruppe Cognitive Systems Engineering. „Wir haben Schritt-für-Schritt-Anleitungen erstellt, mit deren Hilfe jeder Forschende schnell und einfach die Daten herunterladen und eine identische Softwareumgebung, also einen Teil des Versuchsaufbaus, herstellen kann“, sagt Florian Lier. Im Mai waren er und sechs Kollegen an der Indiana University und trafen sich dort unter anderen mit Psychologie-Professor Dr. Robert Goldstone und Robotikforscherin Professorin Dr. Selma Šabanović. Vor Ort prüften und diskutierten sie den Ansatz für reproduzierbare Forschung mit einem aktuellen Experiment aus der Psychologie und der Mensch-Maschine-Interaktion.

Prof. Dr. Friederike Eyssel (rechts) forscht unter anderem mit Prof. Yukie Nagai PhD (links) von der Universität Osaka. Beide präsentieren hier der ehemaligen Wissenschafts-Ministerin Svenja Schulze (Mitte) den Roboter iCub. Foto: Ina Fassbender Psychologie-Professorin und CITEC-Wissenschaftlerin Dr. Friederike Eyssel arbeitet ebenfalls eng vernetzt mit internationalen Kollegen. Gemeinsam mit Selma Šabanović forscht sie zur Rolle von Berührung in der Mensch-Roboter-Interaktion und der Gruppenwahrnehmung. „Selma Šabanović und ich stehen in regem Austausch und kooperieren auf vielen Ebenen. Gemeinsam führen wir Projekte und Studien durch und betreuen Doktorandinnen und Doktoranden“, sagt Eyssel, Leiterin der Forschungsgruppe Angewandte Sozialpsychologie und Geschlechterforschung.

2017 arbeitete Eyssel mit Ihrer Kollegin Šabanović unter anderem zusammen auf den Konferenzen CSCW (Conference on Computer-Supported Cooperative Work and Social Computing) in Oregon und der Ro-Man in Lissabon. Außerdem sind die beiden Wissenschaftlerinnen die Gastherausgeberinnen eines Sonderheftes. „Der größte Erfolg der Zusammenarbeit ist die Vertrauensbasis, die über die Jahre entstehen konnte und die zu immer neuen inspirierenden Projekten mit Partnern an der Indiana University und auch dem Italian Institute of Technology führte. Auch auf Ebene der Doktorandeninnen und Doktoranden war der Austausch sehr gewinnbringend und hat zu wiederholten Gastbesuchen in Bielefeld geführt. Die gemeinsam geplanten Workshops auf den Top-Konferenzen der Sozialen Robotik waren ebenfalls ein Highlight, neben den gemeinsam erarbeiteten Publikationen“, resümiert Eyssel.

CITEC kooperiert seit einigen Jahren mit dem Italian Institute of Technology (IIT). Eyssel forscht hier gemeinsam mit den Robotikern, Dr. Alessandra Sciutti und Dr. Francesco Rea. „Die Zusammenarbeit mit Alessandra und Francesco ist seit langem spannend und inspirierend“, sagt Eyssel. „Zur Planung und Durchführung konnte ein Mitarbeiter meines Teams einige Wochen am IIT forschen und hat viel lernen können. Darüber hinaus habe ich mit Alessandra Sciutti und Katrin Lohan von der Heriot Watt University im Oktober 2017 auf der HAI2017-Konferenz einen Workshop zum Thema Embodiment in der Mensch-Roboter-Interaktion ausgerichtet, der die Zusammenarbeit über die konkrete Forschung hinaus noch vertieft hat.“ Die HAI fand dieses Jahr erstmalig im CITEC-Gebäude auf dem Campus Nord in Bielefeld statt.

„Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Queensland University of Technology und Friederike Eyssel führen wir eine Soziale-Robotik-Studie zur Modellierung der menschlichen Einstellung gegenüber Robotern durch“, sagt Jakub Zlotowski, Postdoc am Exzellenzcluster CITEC. Zurzeit arbeitet er als Gastwissenschaftler an der Queensland University of Technology. Zlotowski hat zuvor gemeinsam mit Eyssel eine bestehende Zusammenarbeit mit der Universität Osaka vertieft. „Mit den Forscherinnen und Forschern aus Osaka arbeiten wir an einer neuen Studie zur Wahrnehmung von Androiden. Gemeinsam haben wir die notwendigen Materialien für die Durchführung einer Online-Studie an mehreren Orten auf der ganzen Welt vorbereitet, um kulturelle Unterschiede in der Wahrnehmung von Androiden zu vergleichen.“ Zlotowski forscht darüber hinaus zu Intimität in der Mensch-Roboter-Interaktion. Hierbei kooperiert er mit Professor Dr. Ronald Arkin vom Georgia Institute of Technology (GIT) in Atlanta, USA. Arkin ist auch Mitglied der virtuellen Fakultät am CITEC. Die Mitglieder der virtuellen Fakultät sind international führende Expertinnen und Experten aus allen am CITEC vertretenen Disziplinen. Sie tauschen sich mit CITEC-Forschern aus, kommen für Gastaufenthalte und wirken an CITEC-Veranstaltungen und -Projekten mit.

Neben den internationalen Beziehungen in die ganze Welt hinein profitieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am CITEC auch von der Infrastruktur des 2013 eröffneten Gebäudes. Im CITEC-Gebäude gibt es über 25 Labore, in denen die Forschenden unterschiedliche Großgeräte und technische Systeme nutzen können. „Die räumliche Nähe zu den Kolleginnen und Kollegen der verschiedenen Disziplinen ist besonders hilfreich“, sagt Timo Korthals. „Eine Besonderheit ist die Bereitwilligkeit der Kollegen und Abteilungen über Forschungsgruppen hinweg zu helfen und zu kooperieren. Das wird durch die offene räumliche Infrastruktur des CITEC unterstützt, durch die man immer wieder mit neuen Personen in Kontakt kommt. Über den ,Flurfunk‘ bekommt man nämlich immer noch die aktuellsten Informationen, wer was macht, woran gerade anderen Gruppen forschen und wer einem weiterhelfen kann.“

Im November dieses Jahres ist der Cluster zehn Jahre geworden. Daher lädt CITEC-Koordinator Professor Dr. Helge Ritter alle ehemaligen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Kooperationspartner des Exzellenzclusters zu einer Jubiläumsfeier ein. Die Feierlichkeiten richtet der Cluster im März 2018 im CITEC-Gebäude aus.

Aktuell arbeiten die Forschenden am Antrag für eine mögliche dritte Laufzeit des Clusters. Der neue Cluster würde den Namen „Cognitive Interaction: Science, Systems and Technology” (Kognitive Interaktion: Grundlagen – Systeme – Technologie) tragen. Das Konzept wird im Februar 2018 bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingereicht. Ende September fällt die Entscheidung – im Falle der positiven Bewertung läuft der neue Cluster ab dem 1. Januar 2019 für zunächst sieben Jahre. Auch in der dritten Phase des Exzellenzclusters wird CITEC auf Nachwuchsförderung und Internationalisierung setzen.

Die Förderung der existierenden Cluster, so auch von CITEC, wurde in diesem Zuge bis Ende 2018 verlängert. Die erste Hürde hat die Universität Bielefeld in der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder bereits im September erfolgreich genommen. Von insgesamt 195 eingereichten Antragsskizzen in der Vorrunde schafften es mit 88 nur knapp 45 Prozent in die Hauptrunde dieses sehr kompetitiven Wettbewerbs.